Lockrufe

von larissa boehning

Eng an eng die opulent ausgestatteten Bars auf der West-Street, Downtown Yangshuo. Eine DJ-in in einem weißen Spitzentüll-Kleid starrt verzweifelt Richtung Eingang, bewegt ihren trainierten Bauch im Technorhythmus. Aber sie lockt niemanden an.

Dazwischen Essenstände, Klamottenläden und Frauen, die in der Mitte der Promenade stehen und genau das Kleid verkaufen, das sie selbst tragen. Sie sind quasi ihre eigene Schaufensterpuppe in ihrem eigenen Laden zugleich.

Hinter einem Perlenstand sitzt ein vielleicht fünfjähriger Junge und liest konzentriert eine Zeitung. Er faltet sie auf, schlägt die Seite um, liest weiter.

Drei Mädchen, in Seidenkleidern, mit kleinen Hüten, Fächern, Strass-High-Heels fotografieren sich gegenseitig vor den geländerlangen Essensschautafeln am Eingang eines Restaurants.

An einem der Stände, der Perlen und Steine in einem großen Trog vermischt hat, fädelt ein Mann ein Armband auf, das eher so aussieht, als würde er es selbst tragen können, als dass es ein Geschenk für eine Frau ist.

Ich frage, ob das Shangri-La, das auf einer der Umgebungskarten eingezeichnet ist, das Shangri-La sei, ohne genau den Mythos zu erinnern, nur dass es doch was Paradiesisches sein muss. Nein, das sei sicher einfach irgendein Shangri-La, um Touristen anzulocken, wird mir gesagt; und ich bin seltsam enttäuscht.

Das neonblaue LED-Leuchtdioden-Flackern in der Schmetterlingsform auf dem Haarreif der Frau, die erschöpft auf einer Bank an der Straßenseite sitzt; und wie es wirkt wie der verrückt gewordene Lockruf einer durchgeknallten Spezies, die anders nicht mehr auf sich aufmerksam zu machen weiß.