Halt

von larissa boehning

Gehe an dem räudigen Waldstück vorbei, zwischen Bushaltestelle und Zuhause. Plötzlich sehe ich die Wildschweine, drei, vier dicke Keiler, nein, eine ganze Rotte. Wie alle anderen Menschen, die diesen Weg gerade gehen, bleibe auch ich stehen. Einige Mädchen machen Fotos mit strassbesetzten Smartphones. Sie quietschen vor Freude. Zwei ältere Männer – Flüchtlinge aus dem nahen Heim – bleiben auch stehen. Wir alle schauen zu, wie sich ein großer Keiler in Bewegung setzt und auf uns zu läuft. Die Mädchen rennen kreischend weg. Ich weiche zurück. Der ältere der beiden Flüchtlings-Männer fährt erst zaghaft, dann mutig einen Arm in die Luft, mit angewinkelter Hand: Halt, stopp.
Das Wildschwein bleibt einen halben Meter vor ihm stehen.