Auf Sicht fahren

Das Gewitter brach über unserem Schiff herein wie aus dem Nichts. Die Segel flatterten, der Motor sprang nicht mehr an. Wir dümpelten schon in der Mündungsenge in Sichtweite des Hafens, als es – meiner Erinnerung nach – erst ganz windstill wurde, kein Vogel mehr zu hören war, bis dann der Sturm losbrach. Der Himmel hing grau-schwarz bis aufs Wasser und Regen in einem Sechzig-Grad-Winkel, wie Nadelstiche.
Eine große Motoryacht schleppte uns eine halbe, eine Stunde später in den Hafen. Möglicherweise vergingen auch nur zehn Minuten. Es war eine dieser weißen Yachten, die ich vom Steg aus immer bewundert hatte. Jetzt fuhr dieser Kapitän aus seiner erhöhten Position sicher auch auf Sicht, denn die Wolken waren bei ihm oben genauso dicht wie bei uns unten.

Wenn ich „auf Sicht fahren“ höre, wie gerade so oft, dann kommt mir dieser Moment wieder in den Sinn.