Die zitternde Frau

von larissa boehning

Siri Hustvedts Memoir kommt mir in den Sinn, ‚Die zitternde Frau‘. Darin beschreibt sie, wie sie nach dem Tod ihres Vaters, während öffentlicher Auftritte, bei Vorträgen am Pult stehend, dieses Zittern befällt. Wie könnte es bei ihr anders sein: Mit allergrößter Präzision, ohne Pardon, analysiert sie sich, ihr Leben, ihre Ehe, so erinnere ich, aber lässt auch keinen Besuch bei Ärzten aus. Als niemand eine Antwort findet auf das Rätsel ihrer Zitteranfälle, kommt sie zu dem Schluss, dass es eine körperliche Reaktion auf den Verlust ihres Vaters ist. Das Buch ist groß, weil sie ihr inneres Wachstum beschreibt, das am Ende vom Zittern angestoßen worden ist: In dem Moment, als sie ihre öffentlich sichtbare Schwäche akzeptiert, verschwindet es von allein.