Engelszungen

von larissa boehning

Die Mutter redet auf ihr Kind mit Engelszungen ein. „Setz dich bitte auf deinen Popo. Papa sitzt auch mit seinem Popo auf dem Stuhl. Ich sitze auch mit meinem Popo auf dem Stuhl.“ Die Umsitzenden im Café sind längst unangenehm berührt von dem Verhalten des Kindes, das unbeeindruckt weiter am Tisch herumklettert und jetzt auch schreit; die Mutter spürt das genau. Aber sie bleibt bei den Engelszungen, ihrer Engelsgeduld, nur plus einer deutlichen Abneigung gehen ihr eigenes Kind, die ihr im Gesicht steht. Ich muss an das Erziehungsratgeber-Kapitel des Buches denken, das ich gerade lese: Lass nicht zu, dass deine Kinder etwas tun, das sie dir unsympathisch macht.

Advertisements