Höher schalten

von larissa boehning

Die unendlich beflissene Unterwürfigkeit, mit der der kordhosentragende Mittfünfziger dem neben ihm stehenden Mann einen offenbar innerbehördlichen Sachverhalt erklärt, erregt meine Aufmerksamkeit. Ich höre eine Weile zu, dann fängt mich erst der klebrige Opportunismus, dann das willfährige, atemlose Zustimmungsgeheische darin so tief in meinen Eingeweiden abzuschrecken, dass ich nicht mehr hinhören kann, was der Mittfünfziger eigentlich genau sagt, sondern ich nur noch auf sein Gebaren horche und die Wirkung sehe, die es auf den Anderen hat: Er ist sich seiner Machtfülle voll und ganz bewusst, wird kurz despotisch, als er den Kordhosenträger desinteressiert abkanzelt, – was diesen gleich noch einen Gang an Unterwürfigkeit höher schalten lässt.

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