Regionalexpress

von larissa boehning

Der schwäbisch sprechende Vater redet ununterbrochen mit seinen circa eineinhalbjährigen Zwillingen in ihrem ausladenden Doppel-Kinderwagen. Er interpretiert jedes Geräusch, das sie von sich geben. „Da“, sagt eins der Kinder und zeigt auf einen vorbeifahrenden Zug. „Ja, das ischt ein Zug. Ja, wo fährt der Zug denn hin?“, schwäbelt der Vater, „fährt der nach Pjöngjang? Oder nach Sydney? Oder fährt der nach New York?“ Ich versuche, aus seiner Betonung herauszuhören, ob er das witzig meinte, glaube es aber nicht. Es klingt eher wie ein Freud’scher Versprecher aus dem Bedürfnis heraus, als Vollzeitvater nicht den Anschluss an die Welt zu verlieren. Schließlich ist der Zug ein Regionalexpress gewesen.