Die undefinierbar grau-braunen Augen der Beatrix von Storch

von larissa boehning

Die AfD-Politikerin entert den Raum durch die Hintertür, ihre sechs Bodyguards schwärmen aus wie paramilitärisch geschulte Insekten und umstellen den Tisch, an dem sie sich niederlässt. Sie schaut nicht von ihrem Smartphone auf. Die Bodyguards tragen  Gesichter wie Masken, Technikstöpsel in den Ohren und Mini-Mikrophone an den Hemdkrägen. Es ist eine öffentliche Diskussionsrunde: Kandidaten auf dem heißen Stuhl. Nach zwei Runden kommt Frau von Storch an den Tisch, an dem auch ich sitze. Einige stehen auf, weil sie nicht in ihrer Nähe sein, ihr auch keine Fragen stellen wollen. Ich sitze relativ nah am Heißen-Kandidaten-Stuhl. Sie hat große Augen, schaut mir, als ich sie nach ihrem Frauenbild frage, direkt in die Augen – jedoch mit einem Blick, der nicht bis in meine Augen zu reichen scheint. Erst denke ich: wässrig. Aber das ist es nicht. Es hat auch mit der undefinierbaren Augenfarbe zu tun. Sie hat einen abgeklärten, vor ihrem Gesicht kreisenden, ganz an den Rändern von Einsamkeit umflorten Blick. Sie trägt eine Goldkette, an der ein Kreuz hängt und, ich glaube, ein Sternzeichenemblem. Sobald sie anfängt zu reden, wandelt sie sich. Sie strahlt eine arrogant-trotzige Angriffslust aus. Sie gerät in eine beißende Freude, anders als die anderen Politiker im Saal zu sein, eigentlich anders als alle hier zu sein. Die physisch spürbare Unversöhnlichkeit und Ablehnung stachelt sie an. Und während sie mir antwortet, ist mir, als fiele langsam eine schwere Tür zu, die einen fensterlosen Raum luftdicht verschließt. Was sie sagt, ist in sich selbst stimmig, kohärent, aber am Ende ist der Raum abgedichtet, keine Luft zum Atmen mehr.
Während sie aufsteht und den Tisch verlässt, hebt sie ihr Kinn in einer sich selbst bestärkenden Weise: Ich habe gesiegt. Dann eilt sie an den nächsten Tisch, den ihre Bodyguards schon umstellt haben.