Dulden

Eine Berlinerin mit starkem Wa-icke-ditte-Akzent liest ihrer Sitznachbarin etwas Erbauliches vor, das sie in einem ihrer Chats gefunden hat; die Rundmail einer Freundin, eine weitergeleitete Kolumne, so was in der Art. „Keene Zeit mehr für Menschen, die allet schlecht machen. Keene Zeit mehr für solche, die immer nur vertuschen wollten oder manipulieren. Keene Zeit mehr für Lügner und solche Arschlöcher….“
Während sie noch weiter vom Display ihres Telefons abliest, sagt die andere: „Ist doch richtig, wa? Stimmt doch. Man duldet so viel Scheiß, stimmt doch, wa?“

Und ich muss an ein Gespräch mit einer Hamburgerin denken, letztens, über den Berliner Flughafen und den Zustand der Schulen, in dem die Frage aufkam, woher das rührt, dass die Menschen in Berlin so viel dulden. Dulden und aushalten und hinnehmen.