Lösungen

von larissa boehning

Lese, wie Thea Dorn in einem Interview sagt, die Arbeit von Schriftstellern sei getan, wenn es ihnen gelänge, Ängste präzise aufs Papier zu bringen. Politiker hätten dagegen einen schwierigeren Job: sie müssten Lösungen vorschlagen.

In mir protestiert etwas. Gute Literatur enthält eine Lösung für die Figur. Zu der sie  kommt, weil sie mit ihren Ängsten konfrontiert wurde, wodurch sie am Ende der Geschichte wachsen konnte. Es ist ein Problem, wenn wir beim Aufzeichnen der Ängste stehen bleiben. Der phantastische Raum der Literatur reduziert sich so selbst. Wozu sollte ich das lesen, was ich im wahren Leben genauso habe? Mir fällt Elisabeth George ein, die sagte: Da zwei Sachen im Leben sicher seien – der Tod und das Zahlen von Steuern – haben wir Autoren die Aufgabe, spannende Geschichten zu erfinden, die uns von dieser Realität ablenken, ihr aber auch etwas hinzufügen: nämlich die Möglichkeit von Wachstum, Perspektivveränderung, zweiten Chancen, eines neuen Beginns.