Feindschaft

von larissa boehning

Feindschaft, lese ich in dem Freitextbeitrag von Norbert Niemann, sei die letzte verbliebene Freiheit unserer Zeit. Karl Kraus habe das schon 1914 festgestellt: „Die Unterwerfung der Menschheit unter die Wirtschaft hat ihr nur die Freiheit der Feindschaft gelassen.“
Nach dieser Logik sind wir nur noch frei (mindestens) in der sportlichen Konkurrenz, mehr jedoch frei in der Demütigung, in der Macht über Ohnmächtige, in der Grausamkeit gegen alle, die von irgendetwas weniger haben als man selbst. Freiheit im Gegeneinander, Freiheit im Krieg.
Etwas in mir sträubt sich gegen den Gedanken. Ich kann nicht sagen, ob ich die Brutalität und die gegenwärtigen Bezüge darin nicht wahrhaben möchte, oder ob an der Logik etwas nicht stimmt.