Kühlkiste

von larissa boehning

Der vielleicht dreißigjährige Mann auf dem U-Bahn-Sitz mir gegenüber hat lange Dreadlocks, eine randlose Brille, er liest in einem Heft, das HINTERGRUND heißt. Er wirkt ein bisschen wie ein Autonomer, vielleicht aber auch wie ein Programmierer – oder ein Musiker? Er hat eine große, grüne Kühlkiste vor sich stehen, auf der irritierenderweise mehrere Swastikas sind, ein paar Op-Art-Aufkleber, Pixelbilder, BROS steht als Edding-Tag quer auf der Kiste. Ich kann den Mann nicht mehr entschlüsseln, denke ich, unmöglich, zu sagen, für welche Richtung er steht. So geheimnisvoll, wie die grüne, beklebte Kühlkiste ist er, in der ich mir auch alles vorstellen kann: Drogen, Laufwerke, Waffen, vielleicht auch einfach nur Schallplatten.