Markt

von larissa boehning

Wie ich bei jedem BMW und VW, der mir entgegenkommt, jetzt an Vizekanzler Gabriels Mission denken muss, dass die deutsche Automobilindustrie doch bitte von der von chinesischer Regierungsseite erklärten Elektroauto-Quote, die schon ab 2018 gelten soll, verschont bleiben soll – weil die deutschen Innovationen so langsam sind, die Hersteller so behäbig und die ganze Umstellung auf Elektroautos ‚Stress‘ für sie bedeute. Irgendwie zum Lachen. Will man den Markt, dann muss man auch so schnell wie die Chinesen sein.

Ich erinnere, dass mir jemand erzählte: Die Alternativen zu Google und WhatsApp wurden von hiesigen Programmierer-Team im Auftrag der Regierung in weniger als einem halben Jahr geschrieben. Alles geht schnell, unendlich schnell hier. Das ist doch keine Neuigkeit.

Das junge Düsseldorfer Paar in dem Kochkurs, den ich mitmache, lässt sich ausschließlich darüber aus, wie dreckig hier alles sei. Der Mann weist mich ständig auf die losen Gehwegplatten hin. Sie will in der Markthalle nicht die Käfige mit den lebenden Tieren sehen. Alles stinkt ihr zu sehr. Schon das Gemüse betrachtet sie pikiert. Die Menschen seien so dreckig. Keiner putze sich die Zähne. Ich frage sie, warum sie überhaupt hierher gekommen sind. Klettern am Mount Everest. Aber hatte er nicht gesagt, sie seien nur bis ins erste Basislager? Diese Arroganz und dazu die kleingeistige Mäkeligkeit, selten habe ich mich für Landsleute so fremdgeschämt.

Eine Salve Schüsse gegenüber auf dem Baustellengelände. Wir waschen gerade unsere Schneidebretter ab, auf dem Dach des Restaurants, in der offenen Küche. Ich schaue hoch und sehe das Mündungsfeuer, und schemenhaft den Polizisten im schon verglasten Innenraum, der nach oben, in die Decke des innen noch nicht fertig gebauten Gebäudes schießt. Soldaten laufen aufs Gelände. Schaulustige versammeln sich vor dem Eingang der Baustelle.
Ein Dieb, sicher, sagt Jenny, die Köchin, und ich kriege es nicht ganz zusammen mit den zwanzig, dreißig Schuss, die wir gehört haben, und den Soldaten.

Für einen kurzen Moment, als ich vor dem exakt halben Hund stehe, der mit seinem halbierten Maul am Haken hängt, vor dem Fleischer, der so gelb im Gesicht ist wie die Hühnerbeine am Fleischstand nebenan –, für einen kurzen Moment habe ich das Gefühl in einen Film von David Lynch geraten zu sein. Ein surreales Bild. Der halbe Hund. Und hinten, im Zwinger, drängen sich zwei noch lebende Hunde im Kreis. No photo, ruft der Fleischer. Dabei hab ich gar keine Kamera in der Hand.