Butter

von larissa boehning

Ich hab zu wenig Butter in den Teig für die Streusel gemacht und muss, als ich die staubige, nicht richtig schmackhafte Kruste probiere, an das Mädchen denken, das im Urlaub plötzlich über unsere Tochter an uns andockte, das nicht zu seiner Pflegefamilie und seinen sieben oder acht Stiefgeschwistern zurück wollte, sondern einfach bei uns blieb, mit uns aß, an den Strand ging, den ganzen Tag verbrachte; und das am Abend, als es Nudeln gab, sein Messer in die weiche Butter tauchte, sie dick auf ihr Baguettestück strich und tief befriedigt ausrief, „Hm, lecker, Butter“. Und ich erinnere mich, wie ich ihr voll und ganz zustimmte, diesem selbstbewussten, redseligen, eigenwilligen und doch fragil wirkenden Mädchen, das einfach so in unserer Nähe blieb, bis es dunkel wurde, bis ich glaubte, es nach Hause schicken zu müssen, obwohl es eindeutig bleiben wollte, immer noch länger bleiben wollte.