Außenseiterin

Muss an Gail denken, mit ihren Norweger-Pullis und den Haaren ohne Dauerwelle, damals, 1989, Highschool-Abschlussjahr in Sidney, Ohio. Wie sie die einzige war, die wusste, wo Deutschland liegt und mit den Augen rollte, wenn die blonden Mädchen mich fragten, ob wir schon Waschmaschinen hätten und Hitler wirklich tot sei. Gail, die Außenseiterin, die nie viel redete, die immer Bestnoten schrieb, die in den Pausen Bücher las, nie zum Cruisen oder ins Kino mitkam, von der die Jungs sagten, sie hätte Haare auf den Zähnen, was ich nie verstanden hab, ich hatte mich ihr nahe gefühlt. Gail – und ich muss an sie denken, weil ich nach einem Namen für eine Figur gefragt werde, die ein Insider und ein Outsider zugleich ist, die brillant ist in dem, was sie tut, aber auch verletzlich ist in ihrer Einsamkeit, in ihrer Verlorenheit zwischen anderen.