Zwillinge

von larissa boehning

Beschäftige mich mit Verwechslungen, mit Ähnlichkeiten zweier Menschen, und meine Wahrnehmung wird selektiv: mindestens ein Mal am Tag sehe ich jemanden in der Bahn, im Strom der Passanten, im Supermarkt, der einem Menschen ähnelt, den ich kenne. Manchmal nur ein wenig, manchmal faszinierend viel. Und gestern: die Zwillinge, ein Mann, eine Frau, und doch ähneln sie sich bis in ihren Blick hinein, der in die Richtung geht, in die die S-Bahn fährt, sehnsuchtsvoll, verhalten; und sogar wie sie ihre Telefone halten, ähnelt sich, wie sie die Beine überschlagen haben, wie sie leicht schräg im Sitz sitzen. Und ich muss daran denken, dass ich mal mit einem Mann zusammen war, der eine Zwillingsschwester hatte – und wie es möglich ist, dass mir das entfallen war, bis eben gerade.