Amerikaner

von larissa boehning

Die Amerikaner stehen zu fünft sehr nah an der Kante des U-Bahnsteiges. Sie tragen alle Nike-Schuhe, Shorts, T-Shirts und schwarze Rucksäcke. Einer trägt ein Laptop, wie eine Zeitung unter den Arm geklemmt. Sie haben einen Mittlerer-Westen-Akzent, wie ich ihn noch aus Ohio kenne, und sie lassen sich aus über die zu spät kommende Bahn. Einer, der am nächsten an der Kante steht, flucht und macht herablassend Witze. Ich fühle mich immer klein, in der Nähe dieses amerikanischen Selbstbewusstseins.

Und bin dann mehr als erstaunt, als ich sie an meiner U-Bahn-Station wieder sehe, sehe, wie sie vor mir in mein Bürohaus gehen und in den Konferenzraum hochfahren, und bin noch erstaunter, als ich sie am Nachmittag auf dem Mauervorsprung neben der räudigen Hecke sitzen sehe, und sie reden mit anderen aus ihrem Deutschlern-Seminar, wirken bescheiden und einfach mitteilsam inmitten der großen Gruppe.