Zwei Frauen

von larissa boehning

„Das ist ja witzig, oder?“, ruft die Frau am Nebentisch, die ununterbrochen redet und ihren Freundinnen Situationen, Missgeschicke und Dialoge vorspielt. Sie ist geschminkt wie eine Russin, hat die Oberlippe aufspritzen lassen. Ihren wuscheligen Hund hebt sie immer wieder auf ihren Schoß. Sie zeigt seine Zahnlücke zwischen den Schneidezähnen. Wie ihre. „Ist die nicht süß? Genau wie Vanessa Paradis!“
Neben ihr sitzt eine Frau, deren Blick verrät, wie sie ihre schauspielernde Nachbarin bewundert. Sie hört nur zu. Andächtig. Sie hat einen ähnlichen Wuschelhund. Er sitzt unterm Tisch. Dank der Schauspielerin geht es rasend schnell um Söhne, Pubertät, Ebay, Rocklängen, Mixer und alkoholkranke Männer. Dazwischen winkt sie mit der Pfote ihres Hundes.
Die andächtige Frau bemerkt, dass ihr eigener Hund unter den Tisch gepinkelt hat, auf die Eichendielen des Restaurants. Schamhaft kriecht sie unterm Tisch herum und wischt auf. Die Schauspielerin lässt sich nur kurz ablenken, offensichtlich froh, dass es nicht ihr Hund war, und spielt weiter ihre Geschichten mit ganzem Körpereinsatz vor.