Verzagtheit

von larissa boehning

Verzagtheit, dachte ich gestern den ganzen Tag. Verzagtheit. Was ist das eigentlich für ein Wort? Ein schönes. Aber kein schönes Gefühl. Ich fühlte mich verzagt. Und heute schaue ich die Primel an, die ich von einer Frau bekommen hab für etwas Verschenktes bei Ebay-Kleinanzeigen, und erinnere mich, dass ich dachte: Primel. Was für ein verzagtes Gewächs. Trotzdem hatte ich sie in den Garten gepflanzt.

Jetzt streckt sie einen ihrer Primelköpfe an einem langen, mäandernden Stängel gen Sonne. Und ein paar neue Köpfe sind dazugekommen. Und sie wirkt nicht mehr sehr verzagt. Wirkt fragil, ja, aber nicht schüchtern oder hoffnungslos.
Eigentlich ist so eine Primel ganz in Ordnung.