Angst

von larissa boehning

Ich jogge durch den Wald. Allein. Nur die noch winterlichen Bäume, erstes Grün dazwischen, die Vögel, der Regen, die klare, kalte Luft. Es ist wunderbar.
Um die Ecke biegt ein großer Mann, er joggt mir entgegen. Ganz in Schwarz. Direkt auf mich zu. Alle je mir vorgestellten Tatort-Anfangs-Szenen rund um das Thema tote Frau im Wald erscheinen vor meinem inneren Auge. Ich bin kurz davor, umzudrehen. Schaue, ob ich querfeldein könnte. Wie ihm ausweichen? Ich nehme nichts mehr wahr. Er kommt immer näher. Ich wappne mich mit dem Schlüsselbund, in der anderen Hand das Handy.
Er joggt an mir vorbei, grüßt höflich und ich rieche den Duft von Persil-Waschmittel in seiner Sportkleidung.