Mustangs

von larissa boehning

Drei türkischstämmige Teenager-Mädchen preschen durch die Fußgängerzone. Ganz in schwarz alle drei, Röhrenjeans, Daunenjacken, dicke Schals. Sie lassen rosa und neongrüne McDonald’s-Luftballons gegen ihre Schenkel knallen, recken sie wie Fäuste in die Luft. Die breiten, dunklen Lockenmähnen auf ihren Rücken. Es sind wirklich Mustangs. Nicht vorstellbar, dass ihre Energie je gezähmt werden könnte. Es tut mir weh, das zu denken: es wird passieren.
In ihrem Alter war ich auch ein Mustang. Mein Freiheitsdrang hat sich in den Glauben verwandelt, dass ich nur in der inneren Immigration, im Rückzug oder in der Flucht im Schreiben überleben kann, nur dort sicher bin. Als braves Pony fühlte ich mich frei, dabei ist es ein Herumstehen auf der Koppel der Angst. Dass ihnen das nie passieren soll, will ich ihnen nachrufen. Sie sind schon längst weitergeprescht.